Neu in der Schweiz? Start hier: 7 Dinge, die Expats und Reisende wissen sollten

Die Schweiz ist ein Land voller spannender Gegensätze und einzigartiger Gepflogenheiten, die Neuankömmlinge oft überraschen. Von ungewöhnlichen Ladenöffnungszeiten bis hin zu einer vier­sprachigen Kulturlandschaft unterscheidet sich der Alltag in der Schweiz in vielerlei Hinsicht von anderen Ländern. Hier sind sieben wichtige Punkte zum Leben in der Schweiz.

Öffnungszeiten und Sonntagsruhe

Eines der ersten Dinge, die Ausländer bemerken, sind die eingeschränkten Öffnungszeiten. In vielen Regionen schliessen Läden unter der Woche bereits am frühen Abend (gegen 18.00 oder 18.30 Uhr), und an Sonn- und Feiertagen bleiben die meisten Geschäfte geschlossen. Diese Tradition ist gesetzlich und kulturell verankert und dient der Wahrung von Freizeit und Erholung.

Rund-um-die-Uhr-Shopping gibt es kaum. Wer sonntags Lebensmittel braucht, muss vorausplanen oder spezielle Convenience-Shops aufsuchen. Ausnahmen bilden grössere Bahnhöfe und Flughäfen, wo bestimmte Supermärkte und Läden länger und auch sonntags geöffnet haben. So bietet etwa das Einkaufszentrum ShopVille im Zürcher Hauptbahnhof oder viele Tankstellenshops erweiterte Öffnungszeiten. Generell gilt jedoch: Die Sonntagsruhe wird respektiert, weshalb man sich schnell daran gewöhnt, unter der Woche oder am Samstag einzukaufen.

Schweizer Schokolade: Eine nationale Leidenschaft

Die Schweizer Schokolade ist weltberühmt, und das aus gutem Grund. Die Milchschokolade, wie wir sie heute kennen, wurde 1875 in der Schweiz erfunden, als der Chocolatier Daniel Peter mit Hilfe von Henri Nestlé erstmals feste Milchschokolade herstellte. Diese Innovation legte den Grundstein für Marken wie Cailler, Nestlé und Lindt. Rodolphe Lindt entwickelte später das Conchieren, das der Schokolade ihre besonders feine, zart schmelzende Textur verleiht.

Die Schweizerinnen und Schweizer gehören heute zu den weltweit grössten Schokoladenkonsumenten: Rund zehn Kilogramm pro Person und Jahr. Schokolade ist hier mehr als eine Süssigkeit, sie ist Teil der Kultur. Man findet hochwertige Schweizer Schokolade überall, von Supermärkten bis zu Confiserien. Ein Besuch in einer Schokoladenfabrik oder das Probieren lokaler Spezialitäten gehört fast schon zum Pflichtprogramm.

Recycling und Abfallentsorgung

Die Schweiz nimmt Recycling und Abfalltrennung sehr ernst. Das System basiert auf dem Verursacherprinzip, um das Recycling zu fördern. Haushalte müssen ihren Abfall sorgfältig trennen: Papier und Karton, Glas, Metall, PET, Batterien, Kompost – alles hat seinen eigenen Sammelpunkt oder Abholtag. Recyclierbare Materialien bringt man meist zu Sammelstellen, die häufig bei Supermärkten oder in Quartieren eingerichtet sind.

Wichtig: Der gewöhnliche Hauskehricht muss in offiziellen, kostenpflichtigen Abfallsäcken entsorgt werden, die eine Kehrichtgebühr enthalten. Diese Säcke sind nicht billig. Ein 35-Liter-Sack kostet mehrere Franken. Wer andere Säcke verwendet oder Abfall illegal entsorgt, riskiert Bussen. Dadurch besteht ein starker Anreiz, möglichst viel zu recyceln. Das Ergebnis: Die Schweiz gehört weltweit zu den Spitzenreitern beim Recycling und ist für ihre Sauberkeit bekannt. Man gewöhnt sich rasch an die lokalen Regeln und daran, stets genügend offizielle Abfallsäcke vorrätig zu haben.

Formelle und informelle Anrede („Sie“ vs. „du“)

Die Schweizer sind generell höflich und eher formell, was sich auch in der Sprache zeigt. In den Landessprachen gibt es unterschiedliche Anredeformen je nach Beziehung. Unbekannte, ältere Personen oder Menschen im beruflichen Kontext spricht man mit „Sie“ an. Ein spontanes Duzen oder der sofortige Gebrauch des Vornamens gilt als zu vertraut.

Mit zunehmender Bekanntschaft kann man eingeladen werden, zum „du“ überzugehen. Dieses „Du anbieten“ ist in der Schweizer Kultur ein kleiner Meilenstein. Bis dahin bleibt man beim „Sie“. Das kann anfangs ungewohnt sein, gehört aber zum respektvollen Umgang. Schweizer Kolleginnen und Kollegen signalieren in der Regel klar, wann der Wechsel angebracht ist.

Vier Landessprachen in einem Land

Die Schweiz hat vier Landessprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Rund zwei Drittel der Bevölkerung sprechen Schweizerdeutsch als Muttersprache – eine Gruppe alemannischer Dialekte, die je nach Region stark variieren (z.B. Züritüütsch, Bärndütsch). In Schulen und Medien gilt Hochdeutsch, im Alltag jedoch der Dialekt.

Etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung sprechen Französisch, vor allem in der Romandie (Genf, Waadt, Neuenburg). Rund 8 Prozent sprechen Italienisch im Tessin und in Teilen Graubündens. Rätoromanisch wird von weniger als 1 Prozent in Graubünden gesprochen und hat teilamtlichen Status.

Schülerinnen und Schüler lernen meist mehrere Sprachen, wodurch Mehrsprachigkeit weit verbreitet ist. Viele Schilder, Verpackungen und Dokumente erscheinen in mehreren Sprachen. Die Sprachgrenzen sind regional klar spürbar – fährt man beispielsweise von Bern nach Genf, wechselt man von Deutsch zu Französisch. Städte wie Biel/Bienne oder Freiburg sind offiziell zweisprachig. Für Neuankömmlinge bedeutet dies, dass Grundkenntnisse der lokalen Sprache hilfreich sind, während Englisch häufig die Brücke im Arbeitsalltag bildet.

Nicht in der EU, aber eng verbunden

Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union und wahrt ihre politische Unabhängigkeit. 1992 lehnten die Schweizer Stimmbürger den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum knapp ab. Dennoch ist die Schweiz eng mit der EU verflochten. Zahlreiche bilaterale Abkommen regeln Handel, Zusammenarbeit und Personenverkehr.

Wesentlich ist das Abkommen über die Personenfreizügigkeit, das EU-Bürgerinnen und -Bürgern erlaubt, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten – und umgekehrt. Die Schweiz gehört zudem zum Schengen-Raum, weshalb es an den Landesgrenzen zu EU-Staaten keine regulären Passkontrollen gibt.

Damit bleibt die Schweiz wirtschaftlich eng angebunden, ohne Mitglied der EU zu sein. In der Praxis heisst das: Man zahlt mit Franken, gewisse Preise sind wegen Zöllen höher, und Normen können leicht abweichen. Dennoch verläuft Reisen und Handel mit der EU weitgehend reibungslos. Rund ein Viertel der Bevölkerung besteht aus ausländischen Staatsangehörigen, vorwiegend aus EU-Ländern – ein Zeichen für die enge Verbindung trotz politischer Eigenständigkeit.

Wilhelm Tell und Schweizer Legenden

Die berühmteste Schweizer Sagengestalt ist Wilhelm Tell. Der Legende nach weigerte er sich im Mittelalter, vor dem Hut des Landvogts Gessler zu grüssen, worauf er gezwungen wurde, seinem Sohn einen Apfel vom Kopf zu schiessen. Tell gelang dies und tötete später Gessler, was einen Aufstand auslöste und zur Gründung der Eidgenossenschaft beigetragen haben soll. Diese Geschichte wurde später durch Schillers Drama und Rossinis Oper bekannt.

Historisch belegt ist die Geschichte wohl nicht. Ähnliche Sagen finden sich in anderen Ländern, und schriftlich festgehalten wurde sie erst Jahrhunderte später. Dennoch ist der Mythos zentral für das Schweizer Selbstverständnis und steht für Freiheitsliebe und Unabhängigkeit. Das Rütlischwur-Motiv von 1291, ebenfalls eine Mischung aus Geschichte und Mythos, spielt eine ähnliche Rolle. Im Alltag begegnet man Tell in zahlreichen Darstellungen, Souvenirs oder Ortsnamen – sein symbolischer Wert ist ungebrochen.

Podcast-Episode

Weitere Informationen zu diesen Themen finden Sie in dieser Episode unseres Podcasts «Living in Switzerland». Falls es andere Themen gibt, die wir behandeln sollen, schreiben Sie uns bitte an contact@rigby.ch.

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